Büro Bühl
+49 (0) 7223 - 94910
Büro Berlin
+49 (0) 30 - 679 665 434

Arbeitsunfähig zum Bewerbungsgespräch

verfasst am 02.12.2013

Es kommt darauf an…..

Arbeitsunfähig erkrankte Arbeitnehmer müssen sich bemühen, schnell wieder gesund zu werden. Tun sie das nicht, verhalten sie sich pflichtwidrig. Hierbei kommt es jedoch auf die jeweilige Krankheit an, um beurteilen zu können, welche Tätigkeit während der Krankheit untersagt.

Der Arbeitgeber kann dem Arbeitnehmer fristlos oder fristgemäß kündigen, wenn er sich pflichtwidrig verhält. Ist der Arbeitnehmer arbeitsunfähig erkrankt, verhält er sich pflichtwidrig, wenn er sich nicht darum bemüht, bald wieder gesund /arbeitsfähig zu werden. Dies bedeutet jedoch nicht, dass man die ganze Zeit das Bett hüten und die Wohnung nicht verlassen darf, wenn man krank ist. Geht man also trotz Arbeitsunfähigkeit in ein Café rechtfertigt und kündigt der Arbeitgeber deshalb, ist die Kündigung nicht unbedingt wirksam. Entscheidend ist immer, an was man erkrankt ist um beurteilen zu können, wie man sich verhalten muss, um bald wieder gesund zu sein.

Das Landesarbeitsgericht Mecklenburg - Vorpommern (im folgenden: LAG genannt) hatte über folgenden Fall zu entscheiden:

Ein Arbeitnehmer begab sich zu einem Bewerbungsgespräch, obwohl er wegen eines eingeklemmten Nervs im rechten Arm für seine Tätigkeit beim Arbeitgeber krankgeschrieben war. Als der Arbeitgeber hiervon erfuhr, kündigte er das Arbeitsverhältnis fristlos und hilfsweise ordentlich, d.h. fristgemäß.

Der Arbeitnehmer erhob gegen die Kündigung Kündigungsschutzklage und das mit Erfolg; denn das LAG entschied, dass sich der Arbeitnehmer nicht pflichtwidrig verhalten habe, weil er trotz seiner Arbeitsunfähigkeit zum Bewerbungsgespräch gegangen sei. Die Kündigung war unwirksam. Der erkrankte Mitarbeiter müsse zwar während der Arbeitsunfähigkeit dafür Sorge tragen, dass er bald wieder gesund wird. Dies bedeutet aber nicht, dass er die ganze Zeit das Bett hüten muss und das Haus / die Wohnung nicht verlassen darf. Vielmehr kommt es darauf an, an was der Mitarbeiter erkrankt ist um beurteilen zu können, welche Tätigkeiten und Aktivitäten ihm während der Arbeitsunfähigkeit untersagt sind.

Im Streitfall hatte der Arzt dem Arbeitnehmer nur geraten, den rechten Arm nicht zu belasten. Nach Ansicht des LAG war die Teilnahme am Bewerbungsgespräch daher kein genesungswidriges Verhalten.
Auch der Abkehrwille, der in der Teilnahme am Bewerbungsgespräch zu sehen sei, rechtfertige keine Kündigung. so das LAG. Solange ein Beschäftigter nämlich seine vertraglichen Pflichten erfülle sei es ihm unbenommen, sich nach einem anderen Arbeitsplatz umzusehen.

LAG Mecklenburg - Vorpommern, 5. März 2013, 5 Sa 106/12

Aktuelles

vom: 22.03.2021

Kein Urlaubsanspruch während Kurzarbeit

Das Landesarbeitsgericht Düsseldorf hat im Urteil vom 12. März 2021 (Az. 6 Sa 824/20) entschieden, dass für die Zeit, während ... weiterlesen

FACEBOOK